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Zhang Wei / Wang Luyan: Ein Gespräch mit Jia Wei
Texte Zhang Wei, Wang Luyan, Jia Wei, Hans Werner Holzwarth


Englisch / Deutsch

Hardcover mit Schutzumschlag

12 x 19 cm

104 Seiten

36 Farb- und 6 Sw-Abb.

978-3-947127-10-8

978-3-947127-13-9 (US)

20,00 Euro

Durch das Buch blättern


 

Gemeinsam haben Zhang Wei (geb. 1952) und Wang Luyan (geb. 1956) die Geschichte der zeitgenössischen Kunst in China miterlebt und mitgeschrieben. Sie beginnt 1976, als sich nach Maos Tod und dem Ende der Kulturrevolution neue Freiheiten auftun. Wie viele ihrer späteren Freunde und Kollegen sind die beiden in ihren frühen Zwanzigern und machen sich als Autodidakten auf den Weg, die Welt der Kunst für sich zu entdecken. Zhang Wei geht in die Parks von Peking, um zu malen, und trifft dort ähnlich gesinnte junge Männer und Frauen, mit denen er später den Kern der No-Name-Gruppe bildet, anfangs eine Vereinigung von Freiluft-Malern im impressionistischen Stil. Wang Luyan hingegen wird Mitglied der politisch orientierten Stars-Gruppe. Als beide Gruppen 1979 ihre sehr einflussreichen ersten Ausstellungen haben, findet Zhang Wei bereits zur Abstraktion, während Wang Luyan bis Ende der 1980er-Jahre seine eigene Form der Konzeptkunst aus Paradoxien entwickelt. Der eine wandert nach New York aus, wo er sich größere Freiheit für seine Kunst erhofft, der andere bleibt in Peking, wo er als Künstler, Sammler und Kurator die Szene unterstützt. Heute sind beide in Peking, feiern internationale Erfolge und stehen im Zentrum unseres Interesses an der zeitgenössischen Kunst in China. In diesem Buch unterhalten sie sich mit Jia Wei, Expertin in Sachen chinesischer Kunst und Managing-Partner der Galerie Boers-Li in Peking, über die eigene Geschichte und Arbeit und ihr Verständnis von Kunst. In ihrem Gespräch wird der jeweils eigene Weg der Künstler spürbar, als Zusammenstoß und fruchtbarer Dialog zwischen den persönlichen Wurzeln und einer globalen Welt.

 

JEDER GUTE AUSDRUCK HAT ABSTRAKTE BEDEUTUNG

(Auszüge aus dem Gespräch mit Zhang Wei und Wang Luyan)


ZHANG WEI: In den frühen 70er-Jahren schien jeder ganz versessen aufs Malen. Natürlich waren die Arbeiten ziemlich unbefriedigend, aber das spielte keine Rolle. Im Rückblick ist mir klar, dass unser kollektives Verhaltensmuster, das Malen im Freien, nur ein oberflächliches Ritual darstellte. In Wirklichkeit ging es um eine unbewusste Bestätigung des eigenen Selbstwertgefühls, um einen Weg, sich als Teil der Gesellschaft zu begreifen, um ein echtes Gefühl für die eigene Existenz. Das Jahrzehnt der Kulturrevolution löschte brutal jede Individualität aus, und so bot die Malerei eine Zuflucht vor der schrecklichen Realität einer Gesellschaftspolitik, die für Abkömmlinge sogenannter Kapitalisten besonders repressiv ausfiel. Solange ich malte, konnte ich den Einfluss ausblenden, den sie auf mich hatten. Und über die Malerei lernte ich viele junge Künstler kennen, die dieselben Ideen teilten, dasselbe Leben führten und ähnliche Erfahrungen überstanden hatten. So fand ich meine eigene kleine soziale Gruppe.


Im Winter 1974 hatten wir zum ersten Mal eine Ausstellung. Es war ein paar Tage vor Neujahr, und wir wollten den Anlass gemeinsam feiern. Also nutzten wir diesen Vorwand, und alle brachten ihre Gemälde zu mir, um sie bei der Feier zu zeigen. Die eigentliche Bedeutung ging weit über die Neujahrsparty hinaus. Das Ereignis verband unsere Gruppe und gab uns moralische Unterstützung. Jeder in der Gruppe entwickelte ein tieferes Verständnis für den anderen. All unsere Gemälde hingen an diesem Tag zusammen bei mir zu Hause. Wir teilten unsere Ansichten über Kunst und die Gemälde miteinander. Wir rückten emotional näher zusammen, waren vereint. Unter dem Druck einer so mächtigen politischen Gesellschaft wurde diese kleine Gruppe für uns besonders wertvoll. Nachdem unsere Kraft so gestärkt war, blieben wir alle bis 1979 in sehr engem Kontakt.


JIA WEI: Und das Malen wurde für dich immer wichtiger.


ZHANG WEI: Von den frühen 70ern bis zu den frühen 80ern änderten sich meine Bilder langsam – von Naturskizzen zur Abstraktion, bis sie am Ende völlig abstrakt waren. Es dauerte etwa sieben oder acht Jahre, in denen sich die Werke allmählich entwickelten. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ich zum Malen in Pekings Fragrant-Hills-Park ging. „Willst du wirklich diese Hügel malen?“, fragte mein Begleiter. „Es ist ziemlich schwierig, sie realistisch darzustellen, und dabei sind sie noch nicht einmal etwas Besonderes.“


WANG LUYAN: In den 70ern bezog sich die chinesische Kunst noch immer auf die verordneten Mainstream-Werte der Regierung, auf die systemrelevanten Werte der Akademie, auf Kunst im Dienste der Politik und Kunst als politisches Werkzeug. Im Gegensatz zum Westen war die Entwicklung der modernen und zeitgenössischen Kunst in China kein historischer Prozess über Jahrhunderte. Von der Kulturrevolution zu den Stars sprang China direkt in die zeitgenössische Kunst. Während nur eines Jahrzehnts wiederholten oder imitierten chinesische Künstler die Formen praktisch jeder Kunstgattung in der Geschichte der modernen Kunst des Westens. In den 80ern begannen die zeitgenössischen Künstler in China dann, die westlichen Philosophen zu lesen, und tauchten so in ihren Studien tief in die verschiedene Literatur- und Kunsttheorien des Westens ein, in Strukturalismus, Linguistik und Semiotik.


ZHANG WEI: In der ersten Hälfte der 80er organisierten wir geheime Ausstellungen bei mir zu Hause, luden Freunde aus dem Ausland ein, um die Arbeiten zu sehen … Dann gab es Gelegenheiten, zu denen wir einen Ort für unsere Ausstellungen organisierten, die dann normalerweise von der Polizei geschlossen wurden. 1985 hatten wir eine Gruppenausstellung mit zehn Künstlern. Wir zahlten Miete an das Chaoyang-Theater, um dort unsere Werke zu zeigen. Nachdem die Polizei unsere Ausstellung geschlossen hatte, bat ich um die Rückgabe unserer Gemälde. Damals unterstand das Theater dem Direktor des Kulturbüros für den Distrikt Chaoyang. Ich war als Veranstalter für alle Fragen der Organisation verantwortlich. Als ich nach unseren Bildern fragte, sagte dieser Mann zu mir: „Ich würde euch allen raten, keinen Ärger zu machen, und lasst euch nie wieder auf solche Aktivitäten ein. Macht bloß keine weiteren Pläne für Ausstellungen mit solchen abstrakten Bildern. Falls ihr die Möglichkeit habt, wäre es besser für euch, zu gehen. Bleibt nicht hier, es gibt keine Zukunft für euch.“ Ich sagte: „Sie nehmen kein Blatt vor den Mund.“ „Bei Menschen wie euch“, fuhr er fort, „weiß die Regierung genau, wo ihr euch aufhaltet, selbst wenn man euch nicht rund um die Uhr überwacht. Wenn die Regierung es für nötig hält, dann weiß sie genau, mit wem ihr telefoniert und wo ihr gewesen seid.“ Das war die Art von Druck, unter dem das Leben in China stand. Ich war in Panik. Für mich war dieser Druck immens. Ich hatte mit vielen Ausländern Kontakt, und viele meiner Freunde wurden von der Regierung als gefährlich eingestuft. Ich wurde von der Polizeiwache meines Bezirks überwacht. Nach der Schließung der Ausstellung im Chaoyang-Theater machte ich 1986 eine Reise nach Tibet, und ging anschließend in die USA.