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Albert Oehlen: Schweinekubismus
Interview Hans Werner Holzwarth


Deutsch / Englisch
Broschur
26 x 28,8 cm
72 Seiten
28 Farbabbildungen
978-3-947127-52-8
30,00 Euro

 

In seiner Ausstellung Schweinekubismus zeigt Albert Oehlen drei unterschiedliche Werkgruppen aus den Jahren 2021 bis 2024: Da sind die großformatigen, geformten Leinwände der Ömega-Man-Serie, deren Umriss ein Ω-Symbol in cartoonhaften Posen umschreibt. Innerhalb der Leinwand treffen verschiedene Stile der Abstraktion aufeinander – Farbfelder, gestische Striche, wie auf der Palette abgestreifte Mischungen. Da sind Aluminiumskulpturen, die Omega-ähnliche Formen in dreidimensionale Torsi rundlicher Körper mit röhrenartigen Anhängseln übersetzen – Formen, die unterschwellig eine Funktion andeuten. Und dann sind da unbetitelte Leinwände, die Elemente aus verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers aufgreifen und vielleicht den Schlüssel zum Ausstellungstitel liefern: mit ineinander verschmierten Farben in kleineren Abschnitten, die als Würfel auf der Leinwand übereinandergestapelt sind, wie eine wortwörtlich genommene Spielart des Kubismus.

 


HANS WERNER HOLZWARTH: In deiner Ausstellung in der Potsdamer Straße zeigst du drei Werkgruppen: die Omega-Shapes, Skulpturen und neue Gemälde, die du „Schweinekubismus“ genannt hast. Fangen wir mit den sehr auffälligen und ungewöhnlichen Shapes an?


ALBERT OEHLEN: Die Gruppe der Ömega-Men sind der Abschluss einer Werkgruppe, die ich in den vergangenen Jahren gemacht und gezeigt habe. In der Ausstellung sind die letzten Werke zu sehen, da kommen auch keine mehr. Das sind jetzt shaped canvases, wo ich die Omega-Form als Bildträger genommen habe. Dann bin ich auch nochmal auf die Form eingegangen, indem ich mit dem Gelb der Wandfarbe von außen den Shape scheinbar verändert habe. Das ist natürlich Betrug am Betrachter, aber auch ein Blick in die Zukunft. Das Trompe-l’œil des Atom-Zeitalters. Das Thema ist eben nicht maltechnisch definiert, sondern es geht um diese Form.


HWH: Und der Titel referiert auf den Film Omega Man mit Charlton Heston?


AO: Nein, die Assoziationen zum Film, die kamen erst später. Es hat damit angefangen, dass ich diese Form innerhalb des früheren Projekts der unverständlichen braunen Bilder gefunden habe. Als eines der Bilder fertig war, habe ich diese Form darin entdeckt und die Kraft dieser Form wahrgenommen. Mir ist aufgefallen, dass sie wie ein Symbol wirkt, und mir sind die Eigenschaften des Symbols aufgefallen: Da sind diese gespreizten Beine, es ist wie ein Kopffüßler, im Grunde genommen geschlechtslos. Dann fiel mir auf, dass das Geschlechtslose einem traditionell eigentlich immer eher in Pink entgegentritt. Wenn das Männliche feminin wurde und umgekehrt, wie das so konnotiert ist, dann war da so eine Komponente von Weichheit. Das ist jetzt vorbei. Ich habe es Ömega-Man genannt, damit das wieder von mir handelt.


HWH: Du hast es neutralisiert?


AO: Ich hatte da plötzlich dieses fiese, aggressive Biest. Und es erschien mir, als ob ich das noch nicht gesehen hätte. Ich hatte dieses Thema in einem Bild von mir gefunden. Ich will damit nichts ausdrücken oder sagen. Ich habe große Vorbehalte gegen Symbole, die erzeugen bei mir eher Beklemmung. Das ist auch bei diesem Symbol so, nur dass ich bei diesem Ömega-Man, weil es ja von mir kommt, weiß, dass es nichts bedeutet. Außer, dass es einem das Ende androht.


HWH: Alpha und Omega.


AO: Alpha und Omega ist so weltumspannend in seiner Bedeutung, dass es Spaß macht, damit zu arbeiten. Und man verbrennt sich nicht die Finger mit etwas, das mit dem Zeitgeschehen dauernd seine Bedeutungen ändert. Also der Film ist natürlich toll. Und die ganzen Assoziationen machen Spaß, aber ich habe nichts damit bezweckt.


HWH: Klar, aber die Bilder erzeugen solche Assoziationen beim Betrachter.


AO: Assoziationen passieren beim Betrachten die ganze Zeit, auch unsinnige. Es passiert ja immer, dass Leute zu einem völlig abstrakten Bild sagen: Aber da ist doch ein Hündchen, was mich anguckt, oder so … Das ist ein Phänomen, das man als Maler einfach akzeptieren muss, weil es eben existiert.


HWH: Mit dem Phänomen setzt du dich auch selber beim Malen auseinander, wenn im Bild eine Form entsteht …


AO: … die ich dann wieder wegmale. Was ich nicht haben will, mache ich weg.

 

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In Zusammenarbeit mit Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London | Marfa