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Joan Mitchell
Mit einem Text von Christoph Schreier


Deutsch / Englisch
Hardcover
25 x 30,5 cm
44 Seiten
18 Farbabbildungen
978-3-935567-68-8
vergriffen

 

Mit zehn ausgewählten Gemälden aus den Jahren 1951 bis 1991 führt dieser Katalog in das Werk der abstrakten Malerin Joan Mitchell ein. Dabei sind exemplarisch die wichtigen Schaffensphasen der Künstlerin vertreten: von ihrem Durchbruch in der neuen Kunstmetropole New York als Teil des Kreises der abstrakten Expressionisten der späten 1940er-Jahre, über ihre Entdeckung von Natur als Grundlage für ihre Kunst mit dem Umzug nach Frankreich im nachfolgenden Jahrzehnt bis hin zu dem luftigeren Pinselstrich ihrer späten Gemälde.

 

BIOTOPE DER MALEREI
(Auszug aus dem Essay von Christoph Schreier)


... Der élan vital, der Mitchells Schaffen trägt, findet seinen Resonanzraum ab den späten 1950er-Jahren zunehmend in der Natur. An die Stelle eines expressiven Ausdruckswillens tritt die unausgesprochene Erkenntnis, dass produktive, selbststrukturierende Kräfte nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Natur wirksam sind. Dies ermöglicht einen Brückenschlag jenseits aller Abbildlichkeit, aber auch jenseits jedes „reenactments“ von Naturkräften. Kunst wird bei Mitchell zu einem vitalen, schöpferischen System, das eine strukturelle Verwandtschaft zu der wandelbaren, sich stets erneuernden Natur dokumentiert. Dies erklärt die – allen seriellen Bildkonzepten so fremden – sprießenden, aufblühenden und sich verzweigenden Lineamente, die das Biotop von Mitchells Bildern jetzt beherrschen. Der Begriff des „abstrakten Impressionismus“, der von Elaine de Kooning stammt, beschreibt die Phänomene gut, vorausgesetzt man denkt nicht an den frühen Impressionismus der 1870er-Jahre, sondern an die fließenden, gegenstandsfernen Bildwelten des späten Monet. Betrachtet man Gemälde wie Red Tree (1976) oder Sunflowers (1990–1991), so zeigt sich trotz aller stilistischen Unterschiede, die Mitchell und Monet trennen, ein durchaus verwandtes Naturverständnis. Natur ist für Mitchell keine statische, sondern eine wandelbare Größe, deren schöpferisches Potenzial sich über die Triebkräfte der farbig gefassten Linien artikuliert. Nur noch im weitläufigen Sinn abbildend, durchziehen wuchernde Linienbündel Mitchells späte Gemälde, die die Naturkräfte förmlich internalisiert zu haben scheinen. Entsprechend negiert Mitchells Spätwerk die Demarkationslinie, die Kunst und Natur scheidet. Ihre Bilder sind Belegstücke für eine andere Moderne, die nicht bereit ist, die Sehnsucht nach dem „Anderen“, nach der Natur in und außerhalb von uns, auf dem Altar der ästhetischen Autonomie zu opfern.

 

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In Zusammenarbeit mit Galerie Max Hetzler, Berlin